Buch Upcycling – darf man denn das?

Eigentlich finde ich, dass man Bücher nicht upcyceln kann, sie sind schon ‚up‘ genug, eine Wertsteigerung ist nicht möglich.
Schließlich sind es Bücher.

Es ist schon zu viel schlimmer Unsinn mit Büchern angestellt worden. Sogar aus dem Papiermüll habe ich schon Bücher gerettet, weil sie da einfach nicht hingehören. Selbst wenn es streitbare Pamphlete wie die Mao-Bibel waren. Ich finde, Bücher als solche zu zerstören ist eine Sünde gegen den Geist, gegen die Zivilisation.

Aber die Beispiele in der aktuellen ‚Handmade Kultur‚ sind zugegebenermaßen toll. Hübsch, praktisch, unkonventionell, individuell.    Auch haben will.
Aber meine Bücher? Hm…    Nicht eines, ich habe sie alle daraufhin geprüft.
Niemals.    Nein.     Menno. 

Stöberfieber!

Trotzdem hat mich der Gedanke nicht losgelassen. Also, auf in den kleinen Trödelladen um die Ecke. Vielleicht finde ich ja ein passendes Format, einen trashigen Bahnhofsroman, einen Klassiker, der bereits bei mir im Schrank steht und dessen Einband mich an das Gelesene erinnert oder irgend etwas anderes, was ich irgendwie vertreten kann.
Die ersten Griffe zu tollen Bucheinbänden werden sofort verworfen: großartige Literatur, tolle Kunstbücher, oder wirklich antiquarische Ausgaben irgendwelcher naturkundlicher Nachschlagewerke oder Stadtbeschreibungen.
Nein, das darf ich wirklich nicht kaputt machen.

Aber dann: ein schwarzer Einband, goldene Beschriftung, irgendetwas mit Stadtplanung (immerhin habe ich etwas Stadtsoziologie studiert…).
Durchgeblättert. Komischer systematischer Ansatz, seltsame Titel.    Hm.    Erscheinungsdatum 1939. ???
Im ersten Satz des Vorwortes ist tatsächlich von den „großartigen Errungenschaften unter der genialen Führung von Adolf Hitler“ die Rede. !!!
Nach vier bis fünf Schrecksekunden entwickelt sich ein diabolisches Grinsen in meinem Gesicht. Dieses Buch ist für meine Zwecke perfekt: das Nazi-Machwerk muss zerstört werden! Niemand soll durch diesen Dreck geistig vergiftet werden, dafür werde ich sorgen. Ich mache was Nützliches daraus, ein Liebes, ein schönes Ding, etwas an dem ich Freude haben werde.

 Muuhahahahaaaa!!!!!

Die Anleitung der HK hat mir im Folgenden nicht mehr weitergeholfen, der Einband lässt sich ums verrecken nicht nähen, no way. Außerdem gibt es eine kleine Ecktasche im hinteren Einband, die ich erhalten will. Also: frisch improvisiert und selbst getüftelt!

Buch-UpcyclingDas habe ich getan:

  • Buch entkernt – hat ja gar nicht weh getan, nein, hat ja sogar Spaß gemacht…
  • Stöffchen für das Innenleben aus dem Fundus ausgesucht (Reste vom Kaputzenschal für die Mutter) und zugeschnitten
  • Tasche für Stifte und ein größeres Fach aufgenäht
  • 3 Knöpfe mit dem gleichen Stoff bezogen (nicht gut gelungen – Stoff zu dick – das mache ich beim nächsten mal anders, jetzt lasse ich das so) und eingenäht
  • Reißverschluss am hinteren Einband von außen angetackert:
    Von innen wäre eleganter aber geht ja nicht, wegen der Tasche
  • Innenleben mit doppelseitigem Klebeband und Alleskleber (transparent) fixiert
  • in altem Schnellhefter einen…ähm, Ringpapierschnellhefter (?) als lose ausgemacht und rausgelöst
  • ich kann machen was ich will, der Hefter passt nicht, weil der Reißverschluss nicht breit genug ist um die Dicke des Buches zu überbrücken. Tüftel, tüftel…Reißverschlussteil für den vorderen Buchdeckel mit einem Stöffchenstreifen verbreitert. Diese Kombination ebenfalls von außen angetackert.
    Wäre natürlich in einem Stück mit dem Innenleben schöner gewesen, aber wer konnte das denn ahnen?
  • Jetzt passt alles rein: Ringschnellhefter eingeschraubt, von hinten mit geschlossenen Muttern gesichert. Durch Stoff bohren mit Akku-Schrauber ist blöde, leicht schief ist es geworden.
    Aber was soll’s: schief ist englisch und englisch ist modern!
  • drei Bänder oben im Mittelteil des Buches und eins unten eingearbeitet.  Teilweise mit Snaps.
    Um irgendetwas fest zu zurren, als Lesezeichen oder mal sehen…
  • Tackerspitzen umgebogen, damit es nicht piekt
  • Tacker und Stoffkanten mit Textilklebeband beklebt.
  • Autor mit Sammelsurium-Label beklebt (Ätsch!)
  • Blogplaner im Internet gefunden und in Din A5 ausgedruckt und abgeheftet
  • Alles wichtige in die Taschen gesteckt, kleine Post it’s eingeklebt

Innenleben Fertig.    Oder?

Prinzipiell schon. Ich finde den Buchtitel alleine -ohne dazugehöriges Buch- ganz gut, lädt zum Grübeln ein. Aber irgendwie werde ich die Erinnerung an die grauenhafte Nazi-ideologisch verquaste Stadtplanung nicht los. Ich werde vermutlich in Bälde einen eigenen Titel wie „Blog-Agenda“ oder „Journal für den Blog“ oder „Analoges Sammelsurium“ oder so hinzufügen. Danach wäre ein haltbare Außenbeschichtung gut, damit alles eine Weile hält, schließlich will ich das schöne Ding mindestens jeden zweiten Tag benutzen.
Es wird wohl eine doppelte Schicht Klarlack werden.

Entgegen meiner anfänglichen Skepsis habe ich wirklich das Gefühl, etwas Gutes getan zu haben.
Fazit: Upcycling macht glücklich!

Was mich donnerstags glücklich macht landet bei RUMS, ist doch klar!

P.S.: Jetzt suche ich eine angemessene Verwertung für den grässlichen Inhalt des Buches…Hat jemand eine Idee?

P.P.S: Vielleicht lese ich ja auch mal ein paar Seiten darin. Aber nur tagsüber und mit viel Kaffee, sonst wird’s zu gruselig.

 

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2 Antworten zu “Buch Upcycling – darf man denn das?

  1. hey man kann aus den seiten schöne rosen falten 😉 einfach in so blütenblätter schneiden ud die ecken übern stift rollen und sann zu einer rose falten. schwer zu beschreiben -.-

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