Brett vor’m Kopf oder Gebeizter Sperrmüll

Eigentlich wolle ich ja heute etwas anderes posten, aber es kam mal wieder anders. 
Leider gibt es in Berlin keinen regelmäßigen Sperrmülltermin mehr, zu dem man seine ausgemusterten Sachen an die Straße stellt. Früher wurden sie dort ein paar Tage von anderen gemustert und bei Bedarf in Besitz genommen, oder von der Entsorgungsfirma abgeholt. Das war doch eigentlich eine gute Sache – man wurde unkompliziert seinen Kram los, hin und wieder konnte man einen gefundenen Schatz nach Hause tragen und nur das, was wirklich niemand mehr haben wollte ging zur Reststoffverwertung. Da viele nun keinen Antrieb verspüren, ihren Kram selbstständig weg zu bringen, werden die überkommenen Sachen jetzt einfach an den Hausmüll gestellt. Das ist im Schnitt für alle teurer, da außerordentliche Müllbeseitigungen alle Mieter bezahlen müssen. Es gibt einen Mann, der fährt jeden Tag mit seinem Rad durch die Gegend und sammelt gut verwertbare Gegenstände in seinen Gepäckkorb. Vermutlich handelt er damit, gut so, dann kann wenigstens einer von dem Wohlstandsüberschuß profitieren.

Wie auch immer, Samstag fand ich auf dem Müllplatz im Hof zwei Regalboards, leider abgerundet und mit nur noch einem vorhandenen Befestigungswinkel, etwas angeschmuddelt, mit Holzleimresten aber aus Holz, ich vermute Kiefer. Immerhin hat es schon einige Zeit nicht mehr geregnet, daher ohne Wasserschaden. Fette Beute!

Nachdem ich die Bretter in meinen Keller getragen hatte, bin ich Sonntag mit Zollstock bewaffnet und Denkerfalte auf der Stirn durch meine Wohnung getiegert um eine neue Bestimmung für das Holz zu finden.  – Küche! –

Gestern konnte ich endlich mal wieder im Baumarkt shoppen:

  • 3 große Winkel
  • 2 kleine Winkel
  • 2 Kleiderhaken

Das eine Brett musste mit der kleinen Stichsäge gekürzt werden, mal sehen, wo die kleine Ecke bleibt. 

Lasieren oder beizen? Ich mag Holz. Daher möchte ich die Bretter so färben, dass man den Holzcharakter noch sehen kann. Sonst würde ich einfach lackieren und fertig. Lasieren überzieht das Holz mit einem transparent gefärbten Film, durch den die Maserung erkennbar bleibt. Der Vorteil ist, dass das Holz damit gleichzeitig geschützt wird und man die Farbe wieder abziehen kann, wenn man eine andere will. Ich möchte lieber beizen. Dadurch wird das Holz dauerhaft eingefärbt, beizen stellt keinen Schutz oder eine Versiegelung dar. Die folgt danach, in einem zweiten Arbeitsgang. 

 

Beizen!Komplett ausgerüstet geht’s los: Holzbearbeitung

  • Vor dem Beizen muss alles Metall (Schrauben, Nägel, etc.) entfernt werden, da es sonst zu hässlichen Flecken kommt. 
  • Der kleine Deltaschleifer darf raus: mit einem groben (unter 100) Schleifpapier Verunreinigungen und Leimreste entfernen. Staubt gemein, am besten Sauger anschließen und Mund-Nasen-Maske tragen.
  • Farbvariation: Im Baumarkt -jajaja, mein Garten Eden- gibt es Beize in kleinen Tütchen, in vielen Farben zum selber anrühren. Das ist 1. günstig und 2. kann man sich seine Farbe individuell mischen. Aber aufgepasst: die Farben sehen je nach Holzart unterschiedlich aus, also hilft es nix, ihr müsst probieren, und zwar am Möbel an einer unauffälligen stelle.
  • Holz wässern: Dazu das Holz mit einem feuchtem Tuch  oder Schwamm abwischen. Das entfernt den Holzstaub, der das nächste Schleifpapier verschmieren würde und richtet die Fasern im Holz auf, so dass der nächste Schleifgang gründlicher wird. Außerdem verhindert das Wasser, dass die Beize fleckig auf das Holz kommt. 
  • Etwas feiner (zwischen 100 und 200) schleifen. Danach sieht das Holz gut aus und fühlt sich soweit glatt an.
  • Kurz vor dem Beizen sollte das Holz immer noch feucht sein, im Zweifel lieber nochmal anfeuchten.
  • Dann die Beize mit einem breiten Pinsel zügig und großzügig auftragen. Einmal längs und einmal quer zur Maserung. Die überschüssige Beize mit einem Lappen abwischen, dabei ruhig die Farbe sorgfältig ins Holz massieren.
  • Der Farbton direkt nach dem Beizen kommt dem Endergebnis recht nahe, wenn die Beize trocknet sieht es etwas blasser aus. Womöglich muss erneut gewässert und gebeizt werden, lieber zweimal dünn und gleichmäßig als einmal zu stark oder fleckig.
  • Meine -vor langer Zeit gefunden und gebeizte – Kommode ist mir zu dunkel geraten, zu dunkle Beize und zu trocken aufgetragen. Die weißen Flecken sind alte Lackfarbe und total Vintage. Ach egal, ich lass das jetzt so.Kommode im Vintage-Look
  • Wenn alles trocken ist muss das Holz für für die Zukunft gemacht werden. Dazu entweder klar lackieren, wachsen oder Ölen. Ich bevorzuge Holzöl, dadurch wird das Holz widerstandsfähig, seidig glänzend und bleibt natürlich. Außerdem kann kein Lack absplittern und bei einem erneuten Arbeitsgang in vielen Jahren muss der alte Lack nicht abgebeizt werden. -Erstaunlicherweise wird für das Entfernen von Lackfarbe das gleiche Wort benutzt wie für das Färben von Holz.- Nachdem alles trocken ist, mit einem weichen Lappen alles hübsch polieren und fertig.

KüchenbrettIch freue mich über die zusätzlichen Stellflächen in der Küche und -jaaa, ich habe Sammeltassen!!!

Dieser Post wird natürlich gerumst!

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