Tiere essen oder : Was für eine Schweinerei!

 

Als Teenager war ich überzeugte Vegetarierin. Natürlich in erster Linie aus Tierliebe, meine Welt waren Hunde und Pferde, aber auch Kühe, Schweine und Schafe.  Ich erinnere mich an Ekel beim Anblick von Fleischtheken und beim Biss in fettige und knorpelige Fleischteile – eigentlich finde ich das immer noch nicht schön. Meine Eltern waren leicht genervt, aber haben mich gelassen und nach ungefähr einem halben Jahr hatte ich wieder mörderischen Appetit auf saftiges Steak, delikaten Schinken und leckeren Braten. Vermutlich bin ich einfach zu undogmatisch um aus Überzeugungen grundsätzlich und absolut auf irgendetwas zu verzichten und mich völlig gradlinig zu verhalten.

In dem Buch „Tiere essen“ von Jonathan Safran Foer  wird der ganze Schrecken der Massentierhaltung genauer als erträglich beschrieben. Auch wenn JSF in diesem Buch, entgegen seinem sonstigen Stil, sehr polemisch schreibt, häufig wiederholt und manche Sachverhalte unsachlich und platt darstellt ( Fleisch wird durch Antibiotikum nicht verseucht, eine Seuche ist etwas anderes…), es ist voll mit wissenswerten Informationen und absolut easy reading. (hier gibt es eine Leseprobe, 26 Seiten PDF deutsch)Obwohl einem häufig das Wasser in die Augen läuft, selbst wenn man eigentlich recht trocken gebaut hat… JSF beleuchtet unseren Fleischkonsum im Hinblick auf die Unterwerfung der Welt durch und für den Menschen (kulturell), weiterhin auf die Schwierigkeiten durch Regenwaldrodungen und Fäkalien (ökologisch), auf den Umgang mit Tieren während der Haltung und Schlachtung (ethisch), sowie auf häufigen Fleischkonsum für jeden einzelnen(gesundheitlich).

Ähnlich wie der Dokumentarfilm „We feed the world“ hinterlässt auch dieses Buch einen nicht nur appetitlos sondern auch hilflos. Schließlich können wir dem Übel kaum entgehen, und selbst wenn, was bewirkt schon der eigene Verzicht global betrachtet?

Das Gute an JSF Ansatz ist, das er nicht pädagogisch auftritt und Vegetarier für bessere Menschen erklärt, er gibt Informationen über die Nahrung, die wir uns alle in den Mund stecken und verdauen. Er stellt die Information in den Vordergrund, damit kann dann jeder machen was er will, er schärft das Bewusstsein.

Beim Heldenmarkt habe ich zwei Projekte gefunden, die auf schweinische Weise dem Problem der Massentierhaltung und dem bewusstlosen Fleischkonsum entgegenstehen: Meine kleine Farm, wo jedes Schwein namentlich bekannt ist und auf jeder Wurst angegeben ist. Im fröhlichen NDR Dokumentarfilm wird eine Schweinepatenschaft beschrieben.

Schweinepatenschaften kann man ebenfalls bei Altland UG übernehmen. Dort werden alte Schweinerassen artgerecht gehalten und zu realistischen Preisen zum Verzehr angeboten. Mir gefällt die Idee ein halber Vegetarier zu sein. Das geht so: zunächst halte ich fest, wie viel Fleisch und Wurst ich in einer Woche normalerweise vertilge. Diese Menge reduziere ich um die Hälfte und esse ab jetzt nur noch halb so viel Fleisch. Mit meinem Liebsten zusammen -der auch nur noch die Hälfte bekommt – sind wir beide also ein Vegetarier. Fleischkonsum um die Hälfte reduziert!

Wir machen uns bewusst, wie wertvoll Erzeugnisse vom Tier sind, auch wenn sie in Werbebroschüren zum Teil günstiger und prominenter als Obst angepriesen werden.

Wir essen Tiere. Gerne lecker, aus möglichst artgerechter Haltung und selten. Ich habe die Hoffnung noch nicht aufgegeben, dass jeder bewusste Umgang mit der eigenen Ernährung und mit der Umwelt eine Wirkung hat.
Jeder.
Mein Rat: vermiest euch nicht euren Weihnachtsschmaus durch billiges Massentierfleisch, respektiert das tote Tier auf eurem Teller und diejenigen, die es essen sollen.

Schöne Weihnachtszeit!

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